Weblösungen am Puls der Zeit, innovativ und massgeschneidert.

#Blog

Holakratie Intersim AG

vor 5 Monaten

Daniel Rüegg

Evolutionäre Organisation

Im Sommer 2018 haben wir uns neu organisiert. Warum wir das gemacht haben, weshalb wir eine evolutionäre Organisationsform gewählt haben und was damit gemeint ist, wie diese funktioniert und welche Erfahrungen wir damit machen, ist Thema dieser Beitragsreihe.

Die Prinzipien evolutionärer Organisationen

In dieser Folge zeigen wir die theoretischen Konzepte auf, die das Fundament für unsere Umsetzung darstellen.

Die Natur als Metapher für evolutionäre Organisationen

Im letzten Beitrag haben wir diverse Anforderungen an eine Organisation dargestellt. Als Antwort auf diese Anforderungen propagiert Frederic Laloux in seinem Buch «Reinventing Organizations» das Bild einer Organisation als lebendiges System oder eines lebenden Organismus. Dieselbe Methapher benutzt übrigens auch Brian J. Robertson für die von ihm entwickelte Organisationsform «Holacracy».
Die Natur und das Leben selbst dienen dabei beiden als Vorbild. Natur ist, gemäss ihren Beobachtungen, nicht hierarchisch organisiert, sondern entwickelt sich verteilt. Anpassungen finden ständig und überall als Reaktion auf veränderte Situationen statt. Die Frage, die sich Laloux und Robertson auf Grund ihrer Betrachtungen gestellt haben ist: Wie könnte sich die Arbeit verändern, wenn wir Organisationen als lebendige Organismen behandeln und sich in ihnen evolutionäre Kräfte entfalten können?

Kernprinzipien evolutionärer Ansätze

Frederic Laloux hat in seinen Untersuchungen mehrere Unternehmen analysiert, welche bereits erfolgreich nach einem evolutionären Organisationsansatz arbeiten. In diesen Untersuchungen haben sich drei Kernprinzipien herausgeschält, die in jedem dieser Unternehmen mehr oder weniger stark eingesetzt werden:

Selbstführung

Erster zentraler Punkt ist dabei die Abkehr von starren Hierarchien hin zur Selbstführung. Jede Person im Unternehmen übernimmt dabei Verantwortung für bestimmte Arbeits- und Themenbereiche und mitunter auch für das Ganze. Die Verteilung dieser Verantwortungen und deren Reichweiten wird mit einem geeigneten Organisationsmodell abgebildet und definiert. Alle untersuchten Organisationen bauen auf dieses Modell.

Ein entscheidendes Element, welches die Selbstführung erst ermöglicht ist der Beratungsprozess. Prinzipiell kann und soll jede Person Entscheidungen treffen. Damit dies aber auch in der bestmöglichen Form geschieht, gilt es alle Beteiligten, welche sich in dem Thema auskennen und die von dieser Entscheidung betroffen sind einzubeziehen. Die Entscheidungsautorität bleibt dabei bei der initiativen Person. Dieser Prozess sichert die Qualität, Akzeptanz und Abstützung von Entscheiden.

Ganzheitlichkeit

Damit jede Person ihre Verantwortung in einer Organisation wahrnehmen und damit ihr volles Potential abrufen kann, muss der Arbeitsplatz als Ort empfunden werden, an dem man sich mit den eigenen Fähigkeiten und der eigenen Persönlichkeit vollumfänglich einbringen kann. Dies widerspricht der oft beobachteten Tatsache, dass von den Mitarbeitenden ausschliesslich fachliche Qualifikationen verlangt werden und persönliche Anteile dadurch unberücksichtigt bleiben.
Dies bringt ganz neue Chancen und Perspektiven in ein Unternehmen ein. Um den Boden für einen solch vertrauensvollen Umgang zu schaffen, braucht es eine ganzheitliche Atmosphäre, die von gegenseitigem Respekt, Akzeptanz und Vertrauen geprägt ist. Allgemein akzeptierte und klar ausformulierte Grundsätze, klare Vorgaben (z.B. wie kommuniziert wird) und Führungskräfte in einer Coaching-Rolle helfen dabei einen sicheren Boden für alle Mitarbeitenden zu schaffen.

Evolutionärer Sinn

Damit jedes Mitglied einer Organisation sich der Ganzheitlichkeit und der Selbstführung verschreiben kann, ist die Sinnstiftung ein zentraler Aspekt. Niemand wird sich einbringen, wenn er/sie nicht für sich und für die Unternehmung als Ganzes einen Sinn erkennt. Die Frage «Was ist der Sinn und Zweck unserer Arbeit?» respektive «Was wollen wir zusammen erreichen?» erlangt dabei einen weit wichtigeren Status als er ihn bis anhin in Teambildungseinheiten oder einer klassischen Firmenvision hatte. Das Unternehmen und alle darin involvierten Personen richten ihre Gedanken, Strategien, Entscheide und Handlungen auf diesen Sinn aus.

Fazit

Abschliessen möchten wir diese Zusammenfassung der threoretischen Prinzipien von evolutionären Organisationsformen mit einer Aussage, die Laloux in einem Interview machte: «Die Welt ist derart komplex geworden, dass das Beste, was wir tun können, nicht im Planen und Kontrollieren (predict and control) besteht, sondern im Wahrnehmen und Ermöglichen (sense and respond).
Dies fasst auch unsere Sicht und die Notwendigkeit unsere Organisation neu aufzubauen gut zusammen. Im nächsten Blog-Beitrag zeigen wir dann auf wie wir diese Prinzipien konkret umgesetzt haben und wie unsere Organisation heute aufgebaut ist.

Literatur

«Reinventing Organizations» von Frederic Laloux
«Holocracy – Ein revolutionäres Management System für eine volatile Welt» von Brian J.Robertson