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vor 10 Monaten

Bruno Prandi

Agile Arbeitstechniken sind in aller Munde. Trotzdem sind viele Aspekte davon noch unklar. Wir nehmen uns in diesem Artikel drei Vor(ur)teilen an.

BRUNO PRANDI Project Manager & Consultant

Drei Vor(ur)teile agiler Projektentwicklung

Obwohl agile Arbeitstechniken seit über 20 Jahren bestehen, sind vielen die wichtigsten Aspekte davon noch unklar und es braucht immer wieder Überzeugungsarbeit um die Vorteile von Scrum, SAFe und weiteren agilen Methoden aufzuzeigen. Hier drei Vorurteile denen wir immer wieder begegnen und die wir gerne entkräften.

Agile Projekte sind nicht günstiger!

Korrekt, dieses Vorurteil stimmt wenn Sie „billiger“ anstreben. Doch seien Sie versichert, dass Sie auch mit herkömmlichen Managementmethoden kein Geld einsparen werden. Dafür erhalten Sie bestimmt ein Produkt, welches „billiger“ ist. Und dies ganz im Sinne der Qualität. Denn aus unserer Sicht ist hier die Frage nicht ob es billiger geht, sondern viel mehr was Sie für ihr Geld erhalten. Der Vorteil von agil erarbeiteten Produkten ist nicht, dass sie weniger kosten. Der Vorteil ist, dass schneller ausgereifte Produktteile entstehen. Während der Zeit an der an den weiteren Produktteilen gearbeitet wird, erhalten wir schon Feedback und das Verbesserungspotential kann direkt eingearbeitet werden. D.h. das Produkt kann schneller optimiert werden und wird zur gleichen Zeit und mit dem gleichen Budget wie das klassische Projekt eine bessere Lösung darstellen. Dies gerade weil es schon getestet werden konnte, weil es den Test beim Kunden bestanden hat oder auf Grund dessen angepasst werden konnte.

Agile Projekte sind nicht schneller!

Auch hier….korrekt! Am Anfang sind agile Projekte sogar langsamer. Durch die stetigen Verbesserung der Arbeits- und Teamprozesse wird die Leistung jedoch immer besser während bei klassischen Projekten die Leistung gegen Ende nachlässt. Sieht also danach aus, als würde sich das in etwa wieder aufheben. Der Vorteil agiler Methoden liegt vor allem darin, dass durch die Ausrichtung auf den Kundennutzen, die konstante Priorisierung der Features, die direkten Feedbacks der User und der Optimierung der einzelnen Produktteile gewisse Arbeiten obsolet werden.

In der Grafik unten sehen sie in Grün die Kurve eines „klassischen“ Projekts und in Blau die Kurve eines agilen Projekts. Die rote Kurve startet wesentlicher schneller, wird jedoch gegen Ende des Projekts immer langsamer. Die grüne Kurve braucht Zeit bis sie Fahrt aufgenommen hat (dies ist die Zeit die ein Team braucht um die eigenen (Verbesserungs-)Prozesse zu implementieren, sich und die Stärken der Teammitglieder kennen zu lernen, etc.). Danach wird jedoch von Sprint zu Sprint optimiert und das Team wird wesentlich leistungsfähiger. Zur gleichen Zeit fliessen auch die oben erwähnten Feedbacks ein und das Produkt wird laufend optimiert. Und durch die laufende Priorisierung wird gewährleistet, dass nur die wichtigen Aspekte tatsächlich umgesetzt werden. Es wird also sozusagen Geld „gespart“ weil unwichtige Features gar nicht erst umgesetzt werden, die wichtigen jedoch umso optimierter. (Sichtbar im orangen Bereich)

Agile Projekte sind kompliziert!

Diese Aussage ist definitiv falsch. Korrekt wäre „Agile Projekte sind komplex!“. Und genau da ist der springende Punkt. Kompliziert ist ein Uhrwerk oder ein Prozess der zwar vielschichtig aber immer genau gleich ist. Komplex hingegen wird es wenn zu etwas kompliziertem noch Teile hinzugefügt werden die nicht immer gleich funktionieren (mehr dazu findet sich in diesem Artikel zu Dave Snowden Cynefin-Framework).

In den meisten Fällen ist dies der Faktor Mensch. Nicht jede Person geht gleich vor, deshalb ist es heute immer wichtiger die Enduser in die Projekte miteinzubeziehen. Und da liegt eine der grossen Stärken agiler Vorgehensweisen. Wenn kleine Teile eines Ganzen sofort ausgeliefert und getestet werden, kann laufend Feedback eingeholt und das Produkt verbessert werden. Learnings entstehen nicht erst wenn das ganze Produkt bereit ist. Die Enduser sind Teil der Entwicklung und der Komplexität des Produkts wird im Entstehen Rechnung getragen. Das Endprodukt wird also in jedem Fall besser aufgenommen werden und man schickt nicht ein Endprodukt raus, bei dem sich die User als Betatester vorkommen. Eine unschöne Erfahrung die wir wohl alle schon mal gemacht haben und die keine positive Reaktionen auslösen.

Es muss nicht immer agil sein.

Wir sind uns bewusst, dass „Agile“ zurzeit in aller Munde ist und durchaus als Modeströmung aufgefasst werden kann. Und wir wollen keinesfalls missionieren. Nicht jedes Projekt kann und soll agil umgesetzt werden. Wenn Sie sich jedoch dazu entscheiden sollten ein oder auch verschiedene Projekte mit agilen Methoden umzusetzen, sollten Sie sich bewusst sein, dass dazu nicht einfach ein paar „Tools“ eingesetzt werden. Das wichtigste dabei ist das Mindset. Es braucht eine neue Form des Denkens und Handelns und gerade am Anfang braucht das viel Vertrauen ineinander. Innerhalb Ihres Teams, Ihrer Firma aber auch mit Ihren Dienstleistern. Vorurteile (nicht nur die oben erwähnten) müssen dabei überwunden, neue Wege gefunden und ausprobiert werden. Bereit für den Aufbruch zu neuen Ufern?

Wir wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und spannende Lernerfahrungen.