Die 100 NASA-Regeln für Projektmanager
«It’s not rocket science!» Ein Spruch, der gerne angewendet wird, um Komplexes in einfachen Worten zu erklären. Das mag so lange funktionieren, bis es sich beim Projekt wirklich um Raketenwissenschaft handelt. Oder: wie die NASA den Alltag eines Projektleiters beeinflusst.
- Autor:in
- David Bürgi
- Veröffentlicht
Mondlandung
Bei den Eckdaten des Mondlandeprojekts der NASA gerät man unweigerlich ins Staunen:
- 20’000 beteiligte Unternehmen
- 400’000 Mitarbeiter
- 24 Milliarden USD Budget (Gegenwert heute: ca. 150 Milliarden USD)
- über 10 Jahre Laufzeit
- sehr hohes Risiko
Ein Projekt dieser Dimension zu meistern ist, besonders für die Projektverantwortlichen, eine Herkulesaufgabe. Einer dieser Verantwortlichen war Jerry Madden. Er war einer der ersten Projektleiter der NASA, arbeitete bereits im Apollo-Projekt mit und blieb 37 Jahre für die US-Raumfahrtbehörde tätig. In dieser Zeit sammelte er Erfahrungen und Weisheiten welche die NASA nach seiner Pensionierung als die «one hundred rules for NASA Project Managers» veröffentlichte.
Die Regeln
Die 100 Regeln betreffen verschiedene Bereiche wie Planung, Kommunikation, Entscheidungsfindung, Kundenbeziehung oder Teamdynamik. Sie verblüffen mit ihrer Einfachheit und Anwendbarkeit in unterschiedlichsten Branchen und Projekten. Hier einige Beispiele:
Regel 20: Es gab noch nie ein Projekt ohne Teilprobleme – unabhängig der Qualifikation der Beteiligten oder der Testverfahren. Puffer und Vorbereitung sind die einzigen Sicherungsmassnahmen.
Regel 26: Von frühen falschen Entscheidungen kann sich ein Projekt erholen. Von richtigen Entscheidungen, welche zu spät kommen, nicht.
Regel 37: Im nächsten Jahr gibt es garantiert genug Geld und Zeit, um die Projektaufgabe gut zu lösen. Das nächste Jahr kommt etwa im fünfzigsten Jahr als Projektmanager.
Regel 49: Ein Projektmanager, der gleichzeitig sein eigener Chefentwickler oder Finanzmanager ist, wird wahrscheinlich auch versuchen, sich selbst am offenen Herzen zu operieren.
Regel 61: Eine Arbeitsbesprechung hat maximal sechs Teilnehmer. Grössere Besprechungen sind nur für den Wissenstransfer (Präsentationen) geeignet.
In meiner täglichen Arbeit ziehe ich die 100 Regeln manchmal zur Hilfe, wenn ich in einem Projekt vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehe. Ich finde sie zeigen schön auf, dass sich die Herausforderungen beim Bau einer Website nicht wesentlich von denjenigen der Raumfahrt unterscheiden.
Vielleicht sollten wir also dem Ausdruck «It’s not rocket science!» künftig eine andere Bedeutung beimessen. Projektleitung ist wie Raketenwissenschaft, auch wenn wir nicht täglich Menschen ins Weltall schicken.
Wer alle 100 Regeln lesen möchte, kann dies im öffentlichen Lessons Learned System der NASA tun.
PS. Madden verfasste noch eine Bonusregel: «Show up early for all meetings; they may be serving doughnuts.”
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