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title: "Ein Einblick in agile Zusammenarbeit"
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description: "Die Agile Zusammenarbeit ist in aller Munde. Web-Projekte können nicht vor der Umsetzung vollumfänglich spezifiziert werden. Eine detaillierte Spezifikation…"
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# Ein Einblick in agile Zusammenarbeit

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Die Agile Zusammenarbeit ist in aller Munde. Web-Projekte können nicht vor der Umsetzung vollumfänglich spezifiziert werden. Eine detaillierte Spezifikation ist aufwändig und in Web-Projekten häufig nicht zielführend. Deshalb eignet sich ein agiles Vorgehen bestens.

Autor:in

Bruno Prandi

Veröffentlicht

27\. Juli 2020

\*\* Agile Arbeitsformen sind in aller Munde\*\*. Wenn man sich bestimmte Artikel oder Aussagen von CEOs und CTOs ansieht, könnte man sogar meinen, die halbe Schweiz sei nun agil unterwegs. Wer jedoch etwas genauer hinschaut, stellt fest, dass viele Resultate nur agil „aussehen“. Man benutzt möglichst viele Ausdrücke aus dem agilen Vokabular, dazu sonst noch ein paar hippe Buzzwords und hinterlässt so den Eindruck einer modernen Unternehmung / Division / Abteilung (zutreffendes bitte anstreichen).

Doch leider ist es damit nicht getan. Wie bei vielen Management- und Organisationsaufgaben ist auch agiles Arbeiten mit Veränderung, **Auseinandersetzung und viel Arbeit verbunden**. „Viel Arbeit“ ist in der Geschäftswelt zwar gern gesehen, jedoch leider nur dann, wenn sie sich direkt in monetäre Einnahmen ummünzen lässt. In Kombination mit Veränderung und Auseinandersetzung versucht man, „viel Arbeit“ eher zu vermeiden. Kostet ja nur und bringt nix, lautet da häufig der Tenor.

Veränderung widerspricht zudem unseren Traditionen und dem „Wissen“, dass wir es ja schon richtig machen (und dementsprechend auch immer richtig gemacht haben). Wenn dem nicht so wäre, hätten wir ja etwas falsch gemacht und mit dem Gedanken sind wir schon beim zweiten Punkt - der Auseinandersetzung. In diesem Falle mit sich selbst, im Fall des Teamgedankens in einer **agilen Arbeitsform** aber auch mit meinen Kolleginnen und Kollegen.

Macht sich da beim Lesen schon ein gewisses Unwohlsein in der Magengrube breit? Spüren Sie wie eine leichte Abwehrhaltung in Ihnen entsteht? Keine Angst, erstens sind Sie damit nicht allein und zweitens müssen Sie sich nicht sorgen, dass Sie in einem agilen Umfeld Ihre persönlichen Probleme offenbaren müssen. Agile Arbeitsformen sind immer noch Arbeitsformen, das heisst, in erster Linie geht es dabei um Arbeit. Im Gegensatz zu früher hat sich jedoch **das Arbeitsumfeld verändert**. Wo es in der Industrialisierung nur darum ging, einfache Abläufe in einem vorgegebenen, klar definierten Markt zu multiplizieren, geht es heute darum, in einem vielfältigen, hochdiversifizierten und konstant wandelnden Umfeld zu agieren. Damit dies funktioniert brauchen wir keine „Fliessband“-Abläufe oder fixe Prozesse mehr, sondern müssen immer häufiger Lösungen präsentieren, die vielseitig nutzbar und einfach anpassbar sind. Dies ist nicht nur eine Herausforderung für die Nutzer, die sich ja auch **immer auf etwas Neues einstellen müssen**, viel mehr noch ist es eine konstante Herausforderung an die Teams, die diese Produkte und Dienstleistungen erarbeiten müssen.

„Nichts ist mehr klar“ und **„Alles ändert sich konstant“** sind zwei Aussagen, die im heutigen Arbeitsumfeld oft zu hören sind. Für viele Menschen ist das ein Stressfaktor, weil sie nicht darauf vorbereitet wurden. Wir sind mit dem Bild aufgewachsen, dass die Welt geordnet ist und darauf hat man auch hingearbeitet. Leider ohne grossen Erfolg. Denn die Welt ist viel komplexer, als man uns weiss gemacht hat und der Rückzug auf einfache Lösungen ist nicht mehr erfolgsversprechend. Und so würde ich auf obenstehende Aussagen im positiven Sinne reagieren, nämlich, dass uns dies doch auch **viel mehr Spielraum zur Entfaltung bringt**, mehr Möglichkeiten zulässt und Sachen, die früher schon im Anfangsstadium abgeschmettert worden wären, heute durchaus die Chance haben zu entstehen.

Das Gute daran ist, dass immer neue Hilfsmittel und Methoden entstehen, die uns in unserem Berufsalltag helfen können. Wichtig ist, dass wir vor lauter Arbeit und Veränderung nicht vergessen, diese zu lernen und anzuwenden. Dies fordert uns heraus, denn sehr häufig ist dabei erstmal das Mindset, die eigene Einstellung gefragt. Wie geht man eine Aufgabe an?

## Strukturierung

Ist die Aufgabe einfach, kompliziert, komplex oder gar chaotisch? Für jeden dieser Fälle braucht es eine andere Art vorzugehen. [Cynefin](https://cognitive-edge.com/videos/cynefin-framework-introduction/) (sprich Cuh-ne-fin) zeigt die verschiedenen Handlungsfelder und die Vorgehensweisen dazu auf sehr einfache und informative Art auf. Dies hilft in einer ersten Phase schon einmal, um zu schauen, wie man auf eine Herausforderung reagieren könnte.

![Das Cynefin Model](/_astro/cynefin-model-agile-zusammenarbeit.W3uu5T5N_ZiAJYD.webp)

Wenn man erkannt hat, wie die Aufgabe zu betrachten ist und welche Ansätze dafür genutzt werden können, ist es wichtig, diese in umsetzbare **Tasks** aufzuteilen. Dafür kann man sehr gut **„Stories“** verwenden. Eine Story definiert, was ich möchte, warum ich es möchte und welche Akzeptanzkriterien vorgeben, dass ich auch das bekomme, was ich will. Eine Story definiert jedoch nie, wie das gemacht werden soll. Es gibt je nach Projekt noch andere Punkte, die ein Team definieren muss, damit die Story vollständig ist und in die Umsetzung gegeben werden kann. Diese Punkte werden in der **„Definition of ready“** gemeinsam vereinbart. Eine gute Zusammenfassung davon können Sie [hier](https://agilescrumgroup.de/definition-of-ready/) nachlesen.

## Priorisierung

Nachdem wir nun wissen, wie wir eine Aufgabe betrachten und in **machbare Stücke aufgliedern können**, wollen wir diese auch umsetzen. Dabei hilft uns z.B. ein Kanban Board. Wiederum eine einfache Methode, wie man die vielen Aufgaben, die uns tagtäglich beschäftigen, in eine Form bringen können, die wir verarbeiten können. Kanban kann für alle Projekte unabhängig eines gewissen Berufszweiges eingesetzt werden. Sie sind einfach an die eigenen Anforderungen anpassbar. Bei **Kanban Boards sind zwei Sachen** wichtig. Einerseits die **Priorisierung**, die uns hilft festzulegen, welche Arbeiten wichtiger (und somit vorzuziehen) sind, und andererseits das **WIP-Limit**. WIP steht hier für „Work in progress“. Also eine Limite dafür, wie viele Arbeiten gleichzeitig angegangen werden sollen. Denn wenn man sich übernimmt und zu viele Arbeiten gleichzeitig angeht, hat man zwar vieles begonnen, aber es wird nichts wirklich fertig und das bringt zur ursprünglichen Komplexität nur weitere Probleme mit sich.

![Das Kanban Board](/_astro/kanban-board-agile-zusammenarbeit.D6JxS4S5_Z26goXs.webp)

## Umsetzung

Dies ist Ihr Fachgebiet, dazu brauchen Sie keine **Anleitung** und deshalb bleibt dieser Abschnitt auch sehr, sehr kurz.

## Retrospektive

Es gibt noch diverse andere Hilfsmittel, aber mit den oben genannten Ansätzen kommt man schon sehr weit. Damit ist es grundsätzlich durchaus machbar, auch **hoch komplexe Aufgaben anzugehen und erfolgreich umzusetzen**. Die eigentliche Herausforderung dabei ist es jedoch, Ihr Team zu mobilisieren. All diese Arbeit, die Vielschichtigkeit der heutigen Anforderungen und die damit einhergehende **Flexibilität** fordert sehr viele berufliche und menschliche Qualitäten. Anpassbarkeit und die Fähigkeit, Prioritäten zu verschieben, müssen gelernt werden, genauso wie **zusätzliche Kommunikationsskills**. Und es braucht viel Verständnis innerhalb eines Teams, um sich gegenseitig zu unterstützen und zusammen einen Weg durch das tägliche Auf- und Ab zu finden. Und hier möchte ich noch mal auf den Anfang dieses Artikels zurückkommen. Denn diese Arbeit ist nicht so einfach. Genauso wie unsere Welt komplexer ist, als man uns gesagt hat, genauso verhält es sich auch mit den Menschen darin. Jede und jeder sind Unikate und in ihrem Wesen unterschiedlich. Wie finden wir nun heraus, wer was braucht, um am besten zu performen? Dazu sind die **„Retros”** da. Retrospektiven gehen darauf ein, wie wir uns als Einzelne und als Team verbessern können. Um einen Einblick zu bekommen, was eine Retro ist, finden Sie [hier](https://retromat.org/blog/what-is-a-retrospective/) einen Text (in english only, sorry) und schauen Sie sich danach auf der [restlichen Seite](https://retromat.org/) um, sie ist sehr locker gehalten und trotzdem \*\*sehr \*\*informativ.

Verlassen Sie sich also nicht einfach auf Tools wie Jira oder ihr Kanban Board. Das sind nur Werkzeuge, die zur Verfügung stehen. Die eigentliche Performance wird geprägt von der Art, wie wir zusammenarbeiten (Practices), gefolgt von unseren Prinzipien und ruhend auf unseren Grundsätzen und Werten (Values).

![The agile Onion](/_astro/agile-onion-zusammenarbeit.Dsvh1gFW_Z12rjRL.webp)

Da ist sehr viel drin, dass sich nicht in ein Excel packen lässt, das in keiner Checkliste steht, weil es durch und durch individuell ist. Und dies fordert Führungskräfte noch viel mehr als Mitarbeitende, denn es ist an Ihnen, diese Sachen zu erkennen und bereit zu sein, wenn etwas hochkocht. Und die Tatsache, dass die Rolle der Führungskraft in agilen Setups ja eigentlich gar nicht mehr vorhanden ist, macht es nun auch nicht leichter. Ist man nun Scrum Master, Product Owner, Coach, Administrativkraft oder Motivator? Wahrscheinlich ein bisschen von jedem, je nach dem, was gerade benötigt wird. In jedem Fall ist die Rolle nicht mehr so klar zu definieren und in jedem Fall ist man viel mehr Unterstützer als Vorgesetzter.

Heute ist es nicht mehr akkurat vorzugeben, wie gearbeitet werden soll, sondern es geht vielmehr darum, die Mitarbeitenden zu motivieren, ihnen Steine aus dem Weg zu räumen, die Verantwortung im Team zu verteilen (und dabei nicht etwa abzuschieben) und zu schauen, dass alle die Position und Hilfsmittel haben, die ihnen helfen, das Beste aus sich und den vorhandenen Ressourcen heraus zu holen. Nicht auspressen (das führt nur zu Burnouts und Frustration), sondern herauslocken, versteckte Energien sichtbar werden lassen und Leute befähigen, weiter zu gehen, als sie gedacht hätten, dass sie können. Es geht darum, als Mensch und als Team zu wachsen und somit das bestmögliche Projekt umzusetzen.

Wie gesagt, da steckt viel Arbeit, Auseinandersetzung und Veränderung dahinter und vielleicht wirkt dieser Text auf den ersten Blick etwas abschreckend, aber ich kann Ihnen versichern, wenn Sie ihr erstes agiles Aha-Erlebnis hatten und sehen, was daraus entstehen kann, möchten Sie nie mehr in die alten Bahnen zurück. Ich wünsche Ihnen viel Freude, Erkenntnis und Erfolg dabei.

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