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Anonym surfen mit VPN-Diensten?

Grafische Darstellung eines VPN

In grossangelegten Online-Promotionen werben etliche Anbieter von sogenannten VPN-Diensten um Kund:innen. Dabei versprechen sie meist Sicherheit, Privatsphärenschutz und sogar Anonymität. Und alles, was mensch dazu tun muss, ist ein paar Franken zahlen und ein Programm installieren. Kann es wirklich so einfach sein? Eine Analyse.

Autor:in
Sandro Tanner
Veröffentlicht

Was ist VPN?

Dazu hilft es, wenn kurz erklärt wird, was VPN überhaupt ist. VPN steht für «virtual private network». Bildlich gesprochen baut VPN einen «Tunnel» zwischen zwei Netzwerken oder einem Gerät und einem Netzwerk. Dieser «Tunnel» ist sicher verschlüsselt, alles, was auf der einen Seite rein geht, kommt auf der anderen Seite wieder raus, ohne dass dritte mitlesen können. Im Falle von VPN-Diensten ist auf der einen Seite des Tunnels ihr Endgerät und auf der anderen Seite der Internetzugang ihres VPN-Dienstes.

Bin ich also anonym?

Nun könnte man leicht denken, aufgrund dieses sicheren Tunnels wird tatsächlich einfach so mehr Sicherheit geboten. Dem ist leider in vielen Fällen nicht so. Alles, was Sie damit machen, ist ihr Surfverhalten nicht Ihrem Internetanbieter, sondern ihrem VPN-Anbieter anzuvertrauen. Im Gegensatz zu Ihrem Internetanbieter arbeiten diese häufig nicht nach Schweizer Recht. Sie schicken quasi einfach Ihren Internetverkehr nicht auf direktem Weg zum Ziel, sondern leiten ihn verschlüsselt via VPN-Anbieter um. Vom VPN-Anbieter aus ist der Datenverkehr aber genau gleich verschlüsselt oder unverschlüsselt, wie wenn Sie keinen VPN benutzen würden (siehe Bild).

Gewisse Vorteile bringt das natürlich schon mit sich:

  • Ihre IP-Adresse, mit welcher auf Ihren ungefähren Aufenthaltsort geschlossen werden kann, wird verschleiert.
  • Sie können staatliche Zensur möglicherweise umgehen (beispielsweise in China oder Russland)
  • Sie schützen sich vor den Akteuren, welche sich in öffentlichen WLANs tümmeln und versuchen, Unachtsamen Ihre Daten zu stehlen.

Für das ganz normale Surfen von Zuhause oder unterwegs auf dem Natel bringt dies für die allermeisten Menschen kein bisschen zusätzliche Anonymität und Sicherheit. Die IP-Adresse wird schon lange nicht mehr als Identifikationsmerkmal im Internet benutzt. Stattdessen werden Browsercookies, elaborierte Fingerprints und weitere Methoden benutzt. Und sobald Sie sich im Internet irgendwo anmelden, sind Sie sowieso nicht mehr anonym. Ohne weitere Massnahmen zur Anonymisierung Ihres Surfverhalten bringen Ihnen VPN-Dienste also fast nichts.

Fazit

Was die meisten VPN-Anbieter verkaufen ist ein falsches Gefühl von Sicherheit. Wenn sich Menschen in Sicherheit meinen, handeln Sie generell eher unachtsamer. So argumentiere ich persönlich, dass durch die in die Irre leitenden Versprechen der meisten VPN-Anbieter der Sicherheit und Anonymität im Internet eher geschadet wird. Um sich wirklich gegen Überwachung im Netz zu schützen empfiehlt es sich als erstes den einfach aufgebauten Ratgeber der Digitalen Gesellschaft zu konsultieren und immer darauf zu achten, allen Datenverkehr zu verschlüsseln.

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