Business-Rollen in der Informatik
In vielen Blogartikeln meines Entwicklerkollegiums erkenne ich einen Trend: Wir versuchen, technische Themen, Konzepte und Prinzipien einem Publikum ohne technischen Hintergrund näherzubringen. Heute drehe ich den Spiess um.
- Autor:in
- Alexander Moser
- Veröffentlicht
Als sich neulich ein Freund (Bachelor in Business Administration) mit einigen Fragen bezüglich seiner beruflichen Möglichkeiten in der Informatik an mich gewendet hat, konnte ich nur bedingt helfen, denn über businessorientierte Rollen – wie sie für ihn in Frage kommen würden – lästere ich bestenfalls hin und wieder. 😉 Um meinen Horizont zu erweitern, habe ich für diesen Artikel drei Rollen ausgewählt, welche ich bisher nur oberflächlich kannte, und dazu etwas recherchiert.
Business Analyst
Die primäre Aufgabe von Business Analysten ist es, den Ist-Zustand einer Unternehmung zu ermitteln. In ihren Analysen berücksichtigen sie bestehende Prozesse, Organisationsstrukturen, Ressourcen und eventuell bereits bekannte Probleme. Anhand ihrer Analysen können sie Optimierungspotenzial, Chancen, Probleme sowie Risiken einer Unternehmung erkennen und daraus Massnahmen, Ziele und/oder sogar neue Business Cases ableiten.
Je nach Artikel werden den Business Analysten ebenfalls viele Aufgaben aus dem Gebiet des Requirements Engineering (siehe unten) zugeordnet. Aus meiner Sicht müssen Business Analysten allerdings über deutlich mehr unternehmensspezifisches Wissen verfügen als Requirements Engineers. Während sich letztere primär über die Existenz einer bestimmten Anforderung im Klaren sein müssen, müssen Business Analysten sie bis ins Detail verstehen und erläutern können.
Requirements Engineer
Wer schon einmal in Berührung mit den Grundlagen zum Thema Requirements Engineering kam, denkt bei dem Begriff vielleicht an Satzschablonen: «Das System muss/soll/kann die Möglichkeit bieten/fähig sein…» Doch das präzise und umfangreiche Ermitteln und Erfassen von Anforderungen ist eine Kunst, welche leider häufig unterschätzt wird. Dies führt meistens dazu, dass die Aufgaben dieser Rolle aus Kostengründen an eine (oder mehrere) andere Rolle(n) weitergegeben/verteilt werden. Bei Projekten ab einer gewissen Grösse und insbesondere einer gewissen Anzahl Stakeholdern wird sie jedoch unerlässlich. Das Ermitteln und Dokumentieren der Anforderungen diverser Stakeholder ist allerdings nur ein Aspekt dieser Rolle. Zusätzlich muss sie Änderungen der Anforderungen feststellen und verarbeiten können. Ihre wichtigste Aufgabe ist es aber, miteinander in Konflikt stehenden Anforderungen bereits frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.
Das ist wohl der wundeste Punkt vieler Projekte. Anfangs gibt man sich Mühe, alles realistisch aufzugleisen. Irgendwann ändern sich allerdings die Rahmenbedingungen, woraufhin ein Smart plötzlich einen LKW abschleppen können und mindestens 320 km/h schaffen muss.
- J. Kneib, BBA
Head of Digital Transformation
Die Rolle des «Head of Digital Transformation» sorgt dafür, dass «Digitalisierung» in einer Unternehmung mehr bedeutet als bestehende Prozesse 1:1 vom Papier auf den Computer zu übertragen. Damit das volle Potenzial der Digitalisierung ausgeschöpft werden kann, müssen bestehende Prozesse und Vorgehensweisen hinterfragt und oftmals überarbeitet werden. Es gilt die Möglichkeiten von nahezu ständig verfügbaren Systemen, tragbaren Geräten, unzähliger Sensoren und Metriken sowie der Datenaggregation in die neuen, digitalen Prozesse miteinzubeziehen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen Inhabende dieser Rolle sowohl die fachlichen Bedürfnisse, Möglichkeiten, Grenzen und Rahmenbedingungen der Unternehmung verstehen, als auch die Möglichkeiten und Grenzen der Informatik kennen und einschätzen können.
Digital Business EFZ
Während meiner Recherchen bin ich ausserdem auf das Berufsbild des «Digital Business EFZ» gestossen. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Vertretenden aus der KV- und ICT-Branche werden mit dieser neuen, vierjährigen Grundbildung gezielt Fachkräfte als «Bindeglied zwischen der Technik sowie der Wirtschaft» ausgebildet.
Weitere Infos inkl. Qualifikationsprofil sind hier zu finden.
Mein persönliches Fazit
Insbesondere die Tragweite der Business Analysten wird unterschätzt. Jede Rolle ist Teil eines grossen Ganzen, egal wie unscheinbar sie für andere scheinen mag. Auch wenn es sich bei den beschriebenen Rollen um «Business»-Rollen handelt, sind trotzdem mehr oder weniger umfangreiche Informatikkenntnisse notwendig. Eine zusätzliche Ausbildung ist allerdings nicht erforderlich, da die entsprechenden Kenntnisse durch die Mitarbeit in Informatikprojekten gewonnen werden können.
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