Code, KI und Kopf: Jeremy Snow über seinen Berufsalltag
Jeremy Snow ist Applikationsentwickler im zweiten Lehrjahr bei der Intersim. Im Interview spricht er offen darüber, wie er KI im Berufsalltag nutzt, wo er Chancen sieht – und warum solides Fachwissen für ihn unverzichtbar bleibt.
- Author
- Mark Mancktelow
- Release Date
Insights: Jeremy, danke, dass du dir Zeit nimmst. Stell dich bitte kurz vor.
Jeremy Snow: Ich bin Jeremy, Applikationsentwickler im zweiten Lehrjahr bei der Intersim.
Insights: Wie stehst du grundsätzlich zur KI im Beruf?
Jeremy Snow: KI ist ein Werkzeug aber wir als Entwickler müssen verstehen und bewerten können, was sie generiert. Wir müssen wissen, ob der Output gut ist. Früher musste man viel googeln und verschiedene Quellen auf Zuverlässigkeit prüfen. Mit KI geht das deutlich effizienter.
Insights: Aber das Prüfen der Zuverlässigkeit wird dadurch nicht einfacher.
Jeremy Snow: Nein, das stimmt. Da müssen wir unser eigenes Wissen einbringen, um beurteilen zu können, ob das Resultat brauchbar ist oder nicht.
Insights: Als du dich vor rund drei Jahren für den Beruf entschieden hast – war KI da bereits ein Thema für dich?
Jeremy Snow: Eigentlich nicht. ChatGPT gab es zwar schon, aber es war eher ein Chatbot. Es war nicht absehbar, wie schnell KI einmal richtig gut coden kann.
Insights: Wie hat das deine Sicht auf die Zukunft deines Berufs verändert?
Jeremy Snow: Viel Fleissarbeit fällt weg. Wir können uns stärker auf das Wesentliche konzentrieren. Insgesamt finde ich diese Entwicklung positiv.
Insights: Spiegelt sich diese Entwicklung genug in deiner Ausbildung wider?
Jeremy Snow: In der Berufsschule gibt es Lernende, die fast nur noch KI verwenden. Aber in der Schule soll man auch lernen. Es darf in der Ausbildung nicht nur KI geben.
Insights: Hättest du dir also teilweise weniger KI gewünscht?
Jeremy Snow: Ja, manchmal schon. KI ist eine Hilfe, aber man lernt weniger, wenn man alles damit macht.
Insights: Dir ist also ein solides Fundament wichtig.
Jeremy Snow: Absolut. Für Rechtschreibung oder zum Zusammenfassen von Texten finde ich KI super. Aber wenn man Code einfach von ChatGPT kopiert, lernt man nichts dabei. Das ist vielleicht effizient und gibt gute Noten, bringt einem für die Ausbildung aber wenig.
Insights: Wird dir genug Freiraum gegeben, um zu lernen, KI Resultate richtig zu bewerten?
Jeremy Snow: Ja, das glaube ich schon. Ich nutze KI als Unterstützung – nicht als Lösung.
Insights: Ist die Versuchung da, unter Zeitdruck Abkürzungen zu nehmen?
Jeremy Snow: Ja, das habe ich auch schon gemacht. Wenn ich zum Beispiel 80 Prozent selbst programmiert hatte und der Zeitdruck stieg, habe ich die letzten 20 Prozent mit KI ergänzt. Aber der Aufbau kam von mir.
Insights: Wohin entwickelt sich deiner Meinung nach unser Beruf in Bezug auf KI?
Jeremy Snow: Es wird oft von einer KI Blase gesprochen und davon, dass sie irgendwann platzt. Ich glaube nicht, dass es noch viel grösser wird. KI wird sicher schneller und effizienter, aber riesige Game Changer erwarte ich nicht.
Insights: Zum Abschluss: Müssen wir Angst haben, dass KI unseren Beruf ersetzt?
Jeremy Snow: Nein. Ich glaube nicht, dass KI unseren Beruf übernimmt. Es ist nicht so schlimm, wie man es sich manchmal ausmalt.