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Kognitive Leichtigkeit

gestapelte Bücher zum Thema Denken

Läuft alles gut? Geschieht etwas Neues? Muss ich mich stärker anstrengen, um mein Ziel zu erreichen? Soll meine Aufmerksamkeit neu ausgerichtet werden?

Autor:in
Andriu Lutz
Veröffentlicht

schnelles Denken, langsames Denken

Ständig laufen in unserem Gehirn Berechnungen ab, die Antworten auf einige Schlüsselfragen aufrechterhalten und aktualisieren. Diese Berechnungen und deren Bewertung geschehen automatisch und werden durch das System 1 durchgeführt. Zusätzlich urteilt das System 1 darüber, ob weitere Anstrengungen vom System 2 notwendig sind.

Gemäss Daniel Kahneman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und Autor von «Schnelles Denken, langsames Denken», arbeitet das System 1 schnell, automatisch, weitgehend mühelos und ohne willentliche Steuerung (= schnelles Denken).

  • Lösen Sie: 2 + 2 = ?

Diese Aufgabe hat System 1 für Sie erledigt. Das Wissen ist in Ihrem Gedächtnis gespeichert und wird ohne Intention und Anstrengung abgerufen.

System 2 tritt in Aktion bei anstrengenden mentalen Aktivitäten. Subjektives Erleben von Handlungsmacht, Entscheidungsfreiheit und Konzentration gehen oftmals mit den Operationen von System 2 einher (= langsames Denken).

  • Was ergibt: 17 x 24 = ?

Lösen Sie die Aufgabe mit Stift und Papier oder im Kopf, dann erleben Sie langsames Denken.

Abbildung unserer Gehirn-Systeme

Was bringt uns nun dieses Wissen? Was sind die praktischen Implikationen?

Ganz banal: Wir haben Einfluss darauf, welches System wir bei unserer Zielgruppe triggern wollen. Identifiziert und bewertet System 1 eine Aufgabe als einfach, dann bedeutet dies, dass alles in Ordnung ist und keine Notwendigkeit besteht, System 2 zu alarmieren.

Dieser Zustand wird als kognitive Leichtigkeit bezeichnet. Wir befinden uns in einem wohltuenden Automatismus, unsere Laune ist vermutlich gut. Wir mögen was wir sehen, glauben was wir hören und die gegenwärtige Situation kommt uns angenehm vertraut vor. Ein Paradebeispiel ist der E-Commerce Bereich. Hier befinden wir uns im besten Fall vom Aufrufen der Seite bis zum Check-out in einem Flow-Zustand. Die Besucherinnen und Besucher sollen zu Kundinnen und Kunden werden. Das analytische und kritische System 2 sollte möglichst ruhen. Sind wir jedoch in einer Applikation angehalten eine «kritische» Entscheidung zu treffen, sollte der intuitive Arbeitsablauf unterbrochen werden, sodass uns System 1 aus der Komfortzone wirft und wir eine bedachte Entscheidung treffen können.

Die Faktoren

Kahnemann führt vier Faktoren an, welche ursächlich für die Entstehung von kognitiver Leichtigkeit verantwortlich sind. Die verschiedenen Ursachen haben austauschbare Wirkungen.

Darstellung zu Usachen und Folgen kognitiver Leichtigkeit

Im Allgemeinen hat alles, was unsere Bewertung beeinflusst, einen Einfluss auf unsere Entscheidungen und Urteile.

Deshalb gleichen sich bspw. Webseiten heutzutage stark im Aussehen und deren Handhabung. Benutzerinnen und Besucher bewerten eine Seite mit vertrautem Design als einfacher zu bedienen. Dabei bewerten wir die visuelle Komplexität (klare Darstellung), sowie deren prototypisches Erscheinungsbild (wiederholte Erfahrung, geprimte Vorstellung). Gemäss einer Studie von Google wird dieses Urteil in wenigen Millisekunden gefällt.

  • Kann ich dieser Website trauen?
  • Bin ich am richtigen Ort gelandet?
  • Kommt mir diese Seite bekannt vor?
  • Kann ich dem Call-to-Action trauen?
  • Was passiert danach?
  • …

Fazit

Wir müssen uns immer bewusst sein, dass wir in erster Linie für das System 1 gestalten. Das bedeutet, dass unsere Produkte sicher, vertraut und einfach zu bedienen sein müssen. Um diesen Erwartungen möglichst genau zu entsprechen und ein positives Erlebnis zu schaffen, ist es essenziell, seine potenziellen Nutzerinnen und Nutzer zu kennen. Dies beinhaltet unter anderem Informationen über die Merkmale der Personen, ihre Aufgaben und ihr Arbeitsumfeld (Mensch, Aktivität, Kontext). Ebenso sollten Faktoren wie Benutzerfreundlichkeit, Barrierefreiheit und soziale Akzeptanz mitberücksichtigt werden. Nur so kann ein Produkt erschaffen werden, welches in den Augen der tatsächlichen Anwenderin und Anwender kognitiv leicht zu bedienen ist.

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Quellen

Daniel Kahneman (2012), Schnelles Denken, langsames Denken

Steve Krug (2014), Don’t make me think!

The role of visual complexity and prototypicality regarding first impression of websites: Working towards understanding aesthetic judgments

The fluency effect as the underlying variable for judging beauty and usability

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