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title: "Die Psychologie hinter erfolgreichem UX-Design"
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# Die Psychologie hinter erfolgreichem UX-Design

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 ![UX-Design bei der Intersim](/_astro/psychologie-erfolgreiches-ux-design.DHqg3e0g_Z1CmDOA.jpg)

Psychologische Prinzipien beeinflussen das Design von Webseiten in vielfältiger Weise und können – geschickt eingesetzt – die Entscheidungen der Besucher:innen lenken. Nur 20% werden diesen Text zu Ende lesen. Wir verraten wieso.

Autor:in

Denise Widmann

Veröffentlicht

23\. Mai 2024

Jede Interaktion im digitalen Raum ist das Ergebnis einer Entscheidung. Während wir Menschen oft glauben, dass unsere Entscheidungen auf rationalen Prozessen beruhen, zeigt die Realität, dass dies kaum zutrifft. Tatsächlich treffen wir **95% unserer Kaufentscheidungen** weitgehend **unbewusst**. Wir verlassen und auf unser „Bauchgefühl“, ohne dass wir dieses bewusst kontrollieren. Unser Wahrnehmungsapparat ist hier ziemlich fehleranfällig.

**Heuristiken**, auch als **kognitive Abkürzungen** bekannt, spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Sie ermöglichen es, auch mit begrenzten Informationen und Zeit zu schnellen Lösungen zu gelangen. Ein Beispiel hierfür ist die **Konsensheuristik**, die dazu führt, dass wir gerne das kaufen, was andere auch kaufen. Auf einer Webseite kann man dies mit Bewertungen, Rezensionen oder einem Modul „Kunden kauften auch…“ aktiv fördern.

Diese heuristischen Prozesse arbeiten schneller und effizienter und ermöglichen es uns somit, die **Vielzahl an Reizen und Entscheidungen** in unserem Alltag zu bewältigen. Jedoch birgt ihre Effizienz auch die Gefahr, vorschnelle Urteile und Entscheidungen zu treffen. Das macht sich das psychologische Webdesign geschickt zunutze.

Ein typischer **Verarbeitungsfehler** ist zum Beispiel das **Priming**: Sobald wir etwas sehen, lesen, riechen oder hören, springt in unserem Gehirn eine Maschine an. Sie schlägt uns **entsprechende Assoziationen** vor. Ein bekanntes Beispiel ist die Werbung “Brille – Fielmann”. Hierbei haben es Werbepsycholog:innen geschafft, einen ursprünglich neutralen Gegenstand mit einer Firma zu assoziieren. Beim Brillenkauf denken wir somit schneller an die Firma Fielmann.

Ein anderer bekannter Verarbeitungsfehler ist der **„Mere Exposure Effect“**, bei dem uns Dinge allein durch **häufige Wiederholung** vertraut werden, was sich sowohl positiv als auch negativ auswirken kann. Informationen gewinnen dadurch an Plausibilität und Personen an Sympathie.

In einer Studie wurde die Wirkung wiederholter Werbebanner auf das Nutzerverhalten untersucht. Die Teilnehmenden sahen wiederholt Werbebanner auf einem Bildschirm, während sie einen neutralen Artikel lasen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmenden, die öfter einem Werbebanner ausgesetzt waren, das beworbene Produkt oder die Marke sympathischer fanden. Selbst wenn sie sich nicht bewusst an die Banner erinnerten, prägten sich die Werbebotschaften im Unbewussten ein. Dadurch wurde die beworbene Marke später als vertrauter und positiver wahrgenommen.

## Psychologische Bausteine im Webdesign

Folgende Mittel können eingesetzt werden, um gutes Webdesign auf den psychologischen Grundlagen unserer Entscheidungen aufzubauen:

## Emotionen:

„alles, was keine Emotionen auslöst ist für unser Gehirn wertlos“ - Dr. Hans-Georg Häusel. Emotionen entscheiden im Webdesign massgeblich darüber, wie wir uns fühlen und welche Entscheidungen wir treffen. In uns wirken nicht nur unsere eigenen Emotionen, unser Gehirn lässt uns auch die Emotionen anderer Personen erleben. Sehen wir beispielsweise ein Bild mit lachenden Gesichtern, löst das in uns ebenfalls positive Emotionen aus. Beim Webdesign sind somit insbesondere positive Emotionen wichtig. Authentische Bilder oder Videos von Menschen, die ein Produkt nutzen, können dazu beitragen, positive Emotionen zu erzeugen und Vertrauen zu schaffen. Ein treffendes Beispiel hierfür bietet die [Corporate Site von Schweizer Käse](https://www.schweizerkaese.ch).

![Familie auf Corporate Site von Schweizer Käse](/_astro/schweizer-kaese-ux-design.DDDcsy-3_Ca65S.webp)

## Farben:

Nicht nur Bilder, sondern auch Farben lösen Emotionen und Assoziationen aus. Beispielsweise assoziieren wir Orange oft mit der Marke Migros, Gelb und Blau mit Ikea. Rot kann beispielsweise für Liebe aber auch für Aggression stehen. Unser Gehirn reagiert auf Farben und beeinflusst somit, wie wir uns entscheiden. Es ist entscheidend, die Farbpalette einer Webseite sorgfältig zu wählen, um die gewünschten Emotionen bei den Besucher:innen hervorzurufen und das Markenimage zu stärken.

Beispielsweise eignen sich dunkelblaue, bräunliche und lila-Farben hervorragend für Technologie-Webseiten, da sie eine Mischung aus Futurismus, Kreativität und Hochwertigkeit vermitteln.

![Farb-Triade für Technik und Futurismus](/_astro/farb-triade-fuer-technik-futurismus.Ww2ZcA-8_2bwCYc.webp) ![Beispiel für den Einsatz der
Farb-Triade für Technik](/_astro/beispiel-einsatz-der-farb-triade-fuer-technik.C7qMCXzB_Z1TG3YL.webp)

## Texte:

Menschen lesen nicht gerne, Lesen braucht für unser Gehirn sehr viel Energie bei wenig Ertrag. Wird es langatmig springen Nutzer:innen ab. Zudem lesen nur 20% der Nutzer:innen mehr als die Headline. In der Praxis aber ist diese oft zu uneindeutig oder zu langweilig formuliert. Eine schlechte Überschrift durch eine einladende zu ersetzen, ist vergleichsweise wenig Arbeit, doch löst es entsprechend eine Vielzahl an positiven Effekten aus. Den anschliessenden Text lesen Menschen infolgedessen viel eher und ein Kaufabschluss oder eine Kontaktaufnahme ist wahrscheinlicher.

Generell sollten Überschriften gross gestaltet, emotional ansprechend und aussagekräftig sein, um das Interesse der Nutzer:innen zu wecken.

## Bilder:

Bilder spielen eine entscheidende Rolle im Online-Bereich. Der bekannte Spruch “Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte” unterstreicht diese Bedeutung, die auch wissenschaftlich belegt ist: Mehr als 80% aller Informationen nehmen wir in Form von Bildern auf. Unser Gehirn kann Bilder sehr viel schneller verarbeiten als Text. Das ist auch der Grund, warum wir Menschen immer zuerst einige Millisekunden lang die Bilder betrachtet, bevor wir anfangen zu lesen. Dieser Effekt wird als “Picture Superiority Effect” bezeichnet. Bilder haben die einzigartige Fähigkeit, für uns die Realität zu dokumentieren, auch wenn wir uns bewusst sind, dass Werbebilder oft konstruiert sind. Unser heuristisches Denken kalkuliert oft nicht die Möglichkeit der Manipulation mit ein. So können Bilder genutzt werden, um eine Aussage zu “belegen”. Zum Beispiel kann ein Foto auf einer Webseite, auf dem eine Person fest eingekuschelt in einer Decke schläft, die Aussage “Für ä tüüfä gsundä Schlaaf” unterstützen und für unser heuristisches Denken als Beweis dienen, dass diese Aussage wahr ist.

## Videos:

Verhaltensforscher James McQuivey fasst das Ergebnis seiner Studie über die Wirksamkeit von Videos treffend zusammen: “Wenn ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, dann sagt ein Video mehr als 1,8 Millionen Worte.” Auf die Frage, wie sich Nutzer:innen am liebsten über ein Produkt oder eine Dienstleistung informieren, stimmen 73% für ein kurzes Video. Zudem gaben, in einer Umfrage 81% der Webseitenbetreiber an, dass ein Video insbesondere bei erklärungsbedürftigen Produkten und Dienstleistungen einen positiven Einfluss auf die Verkaufszahlen hatte. Kurze Videos erzielen dabei bessere Ergebnisse, aber auch die Qualität ist entscheidend: 77% der Personen verbringen weniger Zeit mit Videos, die ihren erwarteten Videoqualität nicht entsprechen.

## Bewertungen:

Zwischen 87% und 96% der Nutzer:innen lesen vor einem Kauf mindestens eine Bewertung. Dabei ist nicht nur die Anzahl, sondern auch die Qualität der Bewertungen wichtig. Sowohl positive als auch negative Bewertungen schaffen Vertrauen. Studien zeigen, dass die Kaufwahrscheinlichkeit am höchsten ist, wenn die durchschnittliche Bewertung zwischen 4,2 und 4,5 von 5 Sternen liegt.

Generell gilt: „für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“. Dabei basiert der erste Eindruck einer Website zu überragenden 94% auf dem Design. Forscher der Carleton University in Ottawa haben herausgefunden, dass es nur 50 Millisekunden dauert, bis sich Personen beim Besuch einer Website ein erstes Urteil bildet. Ein wichtiger Begriff hierbei ist „Above the Fold“. Dieser beschreibt den Bereich einer gefalteten Zeitung, der für Menschen als erstes sichtbar ist. Dieser existiert auch im Webdesign als Hero-Bereich und ist somit der wichtigste Abschnitt der Website. Er fungiert gewissermassen als “Schaufenster”, das den Inhalt darunter präsentiert. Bis zu 90% der Nutzer:innen verlassen eine Seite, wenn der “Above the Fold” nicht optimal gestaltet ist.

Abschliessen möchten wir diesen Einblick in die Welt der psychologischen Effekte mit dem Halo-Effekt: Sieht etwas professionell und hochwertig aus, schliessen wir oft unbewusst daraus, dass auch die auf der Webseite angebotene Leistungen professionell und hochwertig sind.

[Website](/projects/?filter=web) [Commerce](/projects/?filter=commerce)

## Referenzen

**Text**

G.Zaltmann: Consumer Researchers: Take A Hike!, Journal of Consumer Research, 2000, 26, 423-428

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J. A. Bargh, T. L. chartrand: The mind in the middle: A practical guide to priming and automaticity research, Handbook of research methods in social and personality psychology, 2000, 253-285

R. L. Moreland, R. B. Zajonic: Exposure effects in person perception: Familiarity, similarity, and attraction, Journal of Experimental Social Psychology, 1982, 18, 395-415

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Norman, D. A. (2013). The design of everyday things: Revised and expanded edition. Basic Books

Nielsen, J. (2019) The immutable rules of UX (Jakob Nielsen keynote), [YouTube. Available](https://www.youtube.com/watch?v=OtBeg5eyEHU) (Accessed: 29 February 2024)

Gifford, R. (2020). Designing for Behavior Change: Applying Psychology and Behavioral Economics (Voices That Matter). Peachpit Press.

Reggelin, J. (2023) Neurowebdesign wie Hirnforschung und Psychologie das Webdesign Revolutionieren. S.l. @: wirkungswerk.

**Bilder**  

[Schweizer Käse](https://www.schweizerkaese.ch)  

Reggelin, J. (no date) Psychology meets web design: [Jonas Reggelin on Instagram](https://www.instagram.com/p/CtMspNDNVZs/?img_index=2) (Accessed: 20 February 2024)  

\[Asus\]/[https://www.asus.com/de/](https://www.asus.com/de/))