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Python: Strohfeuer oder Zukunft?

Arbeitsplatz eines Software-Entwicklers mit Codezeilen auf den Bildschirmen.

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde – und oft steckt hinter den Kulissen eine unscheinbare Heldin: Python. Die Programmiersprache hat sich in wenigen Jahren zum Liebling vieler Entwickler:innen im KI-Bereich gemausert. Doch wie kann ausgerechnet eine vergleichsweise einfache und «langsame» Sprache eine so zentrale Rolle in High-Tech-Anwendungen spielen? Die Antwort liegt in Pythons Rolle als «Klebstoff» der Softwareentwicklung. Dieser Artikel beleuchtet, warum Python in so vielen Projekten unverzichtbar ist und ob ihr Höhenflug von Dauer oder nur eine vorübergehende Modeerscheinung ist.

Author
Mark Mancktelow
Release Date

Warum die KI-Welt auf Python setzt

Python hat sich zum Liebling der KI-Community entwickelt – und das aus gutem Grund. Die Sprache ist leicht zu erlernen und ermöglicht es, Ideen extrem schnell in lauffähige Programme zu verwandeln. In einer Welt, in der Innovationstempo entscheidend ist, zählt bei vielen Projekten die Entwicklungszeit mehr als die reine Ausführungsgeschwindigkeit: Was bringt ein blitzschnelles Programm in C++, wenn dessen Entwicklung monatelang dauert, während man in Python in Tagen zum Ziel kommt? Python bietet hier einen klaren Vorteil, denn seine knackige Syntax und dynamische Typisierung erlauben es, Prototypen in einem Bruchteil der Zeit zu erstellen.

Zugleich profitiert Python von einem riesigen Ökosystem: Für nahezu jede Aufgabe gibt es eine Bibliothek oder ein Framework. Ob Datenanalyse, Maschinelles Lernen, Deep Learning oder Datenvisualisierung – die «Lego-Klötze» sind bei Python meist schon eingebaut. Diese Fülle an Werkzeugen, geschaffen und kontinuierlich verbessert von einer aktiven Open-Source-Community, macht den Einstieg leicht und beschleunigt die Entwicklung ungemein.

Der vielleicht entscheidendste Punkt: Python übernimmt in KI-Projekten die Rolle des Orchestrators. Das bedeutet, dass Python selbst sehr wenige Aufgaben erledigt, sondern den Ablauf steuert und leistungsintensive Rechenaufgaben an spezialisierte Systeme auslagert. So passiert die eigentliche Schwerstarbeit – etwa das Trainieren grosser neuronaler Netze oder das Verarbeiten riesiger Datenmengen – im Hintergrund durch hochoptimierte C/C++-Programme oder auf Grafikkarten. Python ruft diese leistungsfähigen Routinen über seine Bibliotheken lediglich auf, kümmert sich um Datenvorbereitung und Ablaufsteuerung und verarbeitet die Ergebnisse weiter. Man spricht daher von einer «Glue Language», die verschiedene Software-Bausteine zusammenklebt und für den Entwickler einfach nutzbar macht. Dieses Prinzip erklärt, warum Pythons objektiv geringere Geschwindigkeit in der Praxis kaum ins Gewicht fällt: Die zeitkritischen inneren Prozesse laufen ohnehin in schneller Maschinensprache ab, während Python den «groben Bauplan» vorgibt.

Dank dieser Eigenschaften ist Python in der KI-Welt allgegenwärtig. In Hochschulen und Online-Kursen hat sich Python als Standardsprache für Data Science und Machine Learning etabliert, was die Verbreitung weiter antreibt, wenn die Abgänger in die Privatwirtschaft wechseln. In einer aktuellen Entwicklerumfrage legte Python im letzten Jahr so stark zu wie keine andere grosse Sprache und wird nun von rund 58 % der Entwickler:innen genutzt – ein beachtlicher Sprung von +7 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Dieser Erfolg ist selbstverstärkend: Je mehr Menschen Python einsetzen, desto mehr neue Werkzeuge entstehen dafür, was wiederum noch mehr Anwender:innen anlockt.

Wo Python an ihre Grenzen stösst

Trotz aller Begeisterung darf man nicht vergessen, dass Python keine eierlegende Wollmilchsau ist. Jede Programmiersprache hat ihre Stärken und Schwächen. Pythons Schwäche liegt vor allem in der Leistung: Als interpretierte und dynamisch typisierte Sprache ist Python langsamer als viele kompilierte Sprachen. In Bereichen wie Echtzeitanwendungen oder rechenintensiven Simulationen kann Python daher an ihre Grenzen stossen. Die Lösung in der Praxis ist jedoch selten, Python komplett zu ersetzen. Stattdessen setzen Entwickler:innen auf Hybridsysteme: Leistungsintensive Teile schreibt man in schnellen Sprachen wie C/C++ oder nutzt bestehende Bibliotheken und Python fungiert als verbindendes Element, das alles zusammenhält. Dieses Muster findet sich in unzähligen Anwendungen – vom Browser bis zur Medizinforschung – und vereint das Beste aus beiden Welten.

Auch in Unternehmen wird Python oft als Ergänzung zu bestehenden Technologien gesehen und nicht als Ersatz. So ist z.B. C# in vielen Firmen, wie auch bei uns, seit Jahren die Grundlage für umfangreiche Geschäftsanwendungen. Statt all diese bewährten Systeme aufzugeben, nutzt man Python hier als Zusatzwerkzeug, um neue KI-Funktionen zu ermöglichen. Python und C# arbeiten Hand in Hand. Ein gängiges Vorgehen lautet: In Python experimentieren und trainieren, das fertige Modell dann in die stabile C#-Produktionsumgebung einbinden. Diese Arbeitsteilung ermöglicht es Unternehmen, KI-Integration zu erreichen, ohne ihre gesamte Softwarelandschaft umkrempeln zu müssen.

Ähnliches gilt im Bereich Web-Entwicklung, wo Sprachen wie PHP fest verankert sind. Über 75 % aller Websites weltweit laufen 2025 mit PHP im Backend. Für klassische Webanwendungen ist PHP nach wie vor eine zuverlässige Wahl und bei uns eine Hauptsprache. In Sachen KI spielt PHP allerdings nur eine Nebenrolle. Es fehlen (noch) die grossen Bibliotheken und Frameworks, die Python so mächtig machen, und es gibt keine direkte Unterstützung für Hochleistungs-Hardware wie Grafikkarten. Zwar existieren Machine-Learning-Bibliotheken für PHP wie beispielsweise PHP-ML oder Rubix ML, doch diese decken nur grundlegende Algorithmen ab. Für komplexe KI-Aufgaben, wie Bild- oder Spracherkennung mit tiefen neuronalen Netzen geht, wird PHP nicht eingesetzt. In solchen Fällen geht man pragmatisch vor und lässt PHP mit KI-Diensten «sprechen», die intern in Python oder anderen spezialisierten Tools laufen. Das kann über Webschnittstellen (APIs) geschehen oder indem man vorab in Python ein Modell trainiert und es dann beispielsweise via REST-Service verfügbar macht, die PHP nutzen kann. So bleibt die bestehende PHP-Infrastruktur erhalten, und dennoch können moderne KI-Funktionen integriert werden – ohne alles neu programmieren zu müssen.

Warum Python bleibt

Ist Python also die «Sprache der Zukunft»? Vieles spricht dafür, dass Pythons Erfolgswelle nicht so bald abebben wird. Die Sprache hat es geschafft, sich dank ihrer Benutzerfreundlichkeit und Vielseitigkeit als Rückgrat der KI-Entwicklung zu etablieren. Ihre Rolle als Klebstoff – das verbindende Element zwischen verschiedenen Systemen – macht sie enorm wertvoll in einer immer komplexeren Technologiewelt. Solange Daten und KI weiterhin an Bedeutung gewinnen, wird Python höchstwahrscheinlich vorne mitspielen. Grosse Umfragen und Indizes zeigen, dass Python mittlerweile in einer Liga mit jahrzehntealten Sprachen spielt und teils sogar Platz 1 in der Beliebtheit erreicht.

Keine einzelne Programmiersprache wird die Zukunft allein bestimmen. In den kommenden Jahren wird vielmehr Mehrsprachigkeit wichtiger werden. Python bleibt zwar zentral für die KI, hat aber klare Schwächen wie geringere Geschwindigkeit und höhere Ressourcennutzung. Deshalb bleibt Python in vielen Bereichen auf andere Sprachen angewiesen – etwa auf C/C++ für Hochleistungsrechnen, C# für die Integration in Windows/.NET oder PHP für bestehende Websysteme.

Gleichzeitig entstehen neue Sprachen und Weiterentwicklungen wie Mojo, die speziell für KI und High-Performance-Computing entwickelt werden. Für Entwickler und Unternehmen bedeutet das: flexibel bleiben und Technologien kombinieren statt ersetzen. Python entfaltet seine wahre Stärke im Zusammenspiel: als integrativer Baustein in einem Team von Sprachen.

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