Wie kann man mit Open-Source Geld verdienen?
Sei es beim Musikhören, Lesen von E-Mails, Gamen, Senden von Snaps oder einfach dem Web-Browsen, wir benutzen Open-Source-Software tagtäglich, meistens unbewusst. Sie ist praktisch in jedem Gerät und auf gewisse Weise in jedem Programm vorhanden. Das Web wäre nicht mal halb so gross und weitverbreitet, wenn es keine Open-Source-Software gäbe. Um lediglich diesen Eintrag zu lesen, haben Sie, liebe Leserin und lieber Leser, schon verschiedene Open-Source-Technologien angewendet.
- Autor:in
- Eduardo Rocha
- Veröffentlicht
Was ist Open-Source überhaupt?
Kurz gesagt umfasst Open-Source-Software alle Programme und Bibliotheken (Programmteile, die in anderen Programmen angewendet werden können), deren Sourcecode für alle frei verfügbar ist. Unter Sourcecode versteht man die Anweisungen, die an den Computer beim Ausführen des Programmes delegiert werden. Der Sourcecode ist im Vergleich zum Maschinencode anpassbar und von Menschen lesbar. Open-Source-Software muss nicht nur kostenfrei erhältlich sein, sondern auch so lizenziert sein, dass andere diese anpassen und benutzen dürfen.
Anstelle von «Open-Source-Software» wird auch der Begriff «Freie Software» verwendet. In diesem Sinne ist «frei» wie «Freiheit» gemeint, nicht wie “Geld-frei” beziehungsweise gratis.
Freie Software ist essenziell. Mit freier Software muss man nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, man kann einfach ein bestehendes Programm oder eine bestehende Bibliothek benutzen. Falls diese doch nicht alles zur Verfügung stellt, was man braucht, kann man diese nach Bedarf anpassen. Wenn diese Änderungen auch Open-Source sind, können sie in der ursprünglichen Software eingebunden werden. Das hilft wiederum allen anderen, die dieses Programm später benutzen.
Es besteht eine starke Nachfrage nach Open-Source-Software, doch irgendjemand muss diese auch schreiben und bereitstellen. Man kann nicht in Vollzeit daran arbeiten, da man ja nicht wirklich etwas daran verdient und Geld nicht einfach vom Himmel fällt. Trotzdem stecken viele grosse Firmen und Organisationen Zeit in Open-Source-Software. Wie verdienen sie also damit Geld?
Geld und Open-Source
Mit Open-Source kann man nicht nur auf eine Art etwas verdienen. Für spezifische Software gibt es unterschiedliche Geschäftsmodelle, welche besser oder weniger gut geeignet sind. Hier werden einige davon erklärt.
Support
Eine Möglichkeit, Geld mit Open-Source zu verdienen, welche viele Firmen nutzen, ist der Support. Die entsprechende Firma veröffentlicht ihre Software für alle und jeder kann sie brauchen, jedoch ohne Garantie (wie bei jeder Open-Source-Software). Wenn man Unterstützung braucht, dann bietet die Firma Support. Obwohl der Quellcode für alle verfügbar ist, kennt niemand das Programm besser als diejenigen, die es geschrieben haben. Nicht nur für das Programm selber wird Unterstützung angeboten, sondern auch für kostbare Fachkenntnisse, wie z.B. die beste Praxis für das Zusammenspiel von der Anwendung mit anderen Programmen.
Bekannte Firmen, die ein solches Geschäftsmodell haben, sind Canonical und Red Hat.
Hosting
Eine andere Möglichkeit, eine Firma mit Open-Source zu unterhalten, ist durch Hosting. Das Unternehmen hat eine Software, die auf Servern läuft. Jeder kann sich eine Kopie holen und auf einem privaten Server installieren – jeder, der einen Server hat und über das benötigte Wissen verfügt. Einen Server zu betreiben ist jedoch keine einfache Aufgabe. Man muss sicherstellen, dass der Server immer läuft, man darf nicht vergessen, ihn immer wieder zu aktualisieren. Wenn es um Sicherheit geht, muss man immer ein Schritt voraus sein. Für diejenigen, denen das ganze zu viel ist, sind diese Firmen da. Sie bieten das ganze Hosting und Betreiben der Anwendung. Man wägt Kosten gegen Bequemlichkeit und Sicherheit ab.
Beispiele für Unternehmen, welche Hosting anbieten, sind WordPress und Nextcloud.
Premium
Alternativ können Firmen sogenannte «Premium-Funktionen» als Zusatz zu ihrer Open-Source-Software anbieten. Die Firma veröffentlicht den Kern ihres Programmes mit allen wesentlichen Funktionalitäten, jedoch sind erweiterte Teile nur mit Premium erhältlich. Der Benutzer kann somit die Software benutzen und, falls er etwas Weiteres braucht, kann er sie jederzeit upgraden. Obwohl man für die erweiterten Funktionen bezahlt, müssen sie nicht unbedingt Closed-Source sein. Die erweiterten Eigenschaften können auch Open-Source sein, allerdings mit einer Lizenz, die ihren Gebrauch ohne zu bezahlen verbieten.
Bemerkenswerte Software mit einem solchen Modell sind GitLab und Nginx.
Andere
Manchmal sind die Geschäftsmodelle gar nicht so unkompliziert. Nehmen wir zum Beispiel Mozilla – die Organisation, die den Browser Firefox herstellt. Es gibt die Organisation Mozilla und auch das Unternehmen Mozilla, das für jene Dinge zuständig ist, die eine Organisation nicht machen darf (z.B. Marketing). Der grösste Teil ihres Einkommens kommt von der Google-Suche (Google bezahlt Mozilla, damit Google die Standardsuchmaschine bleibt). Der restliche Teil des Einkommens kommt vor allem von Spenden.
Neben Mozilla gibt es auch andere Firmen / Organisationen mit ganz speziellen Geschäftsmodellen. Epic Games – ein Spielunternehmen, welches Spiele wie Unreal Tournament und Fortnite entwickelt hat – produziert Unreal Engine, eine Spiel-Engine (der Kern eines Spieles). Die Spiel-Engine ist frei verfügbar und Open-Source. Für alle Spiele, die einen kleineren Gewinn als 3’000 USD pro Quartal erzielen, ist die Spiel-Engine frei. Bei grösserem Umsatz müssen Lizenzgebühren bezahlt werden.
Blender, eine 3D-Modellierung Software, verdient 100 % ihres Einkommens durch Spenden an die Blender Foundation. Diese Spenden kommen hauptsächlich von Firmen, die mit 3D Technologien arbeiten, wie Nvidia, AMD, Epic Games und Ubisoft.
Android, das Betriebssystem für Smartphones von Google, erzielt direkt kein Einkommen. Das Einkommen wird hauptsächlich durch Google Play gewonnen.
Warum veröffentlichen Firmen den Quellcode ihres Programmes?
Warum veröffentlicht man den Code seines Programmes? Wäre es nicht einfacher und lukrativer, Closed-Source anzubieten? Es gibt verschiedene Gründe, warum man eine Software Open-Source macht.
Mit Open-Source wird das Programm von mehreren Benutzern angewendet, da man nichts dafür bezahlen muss, um dieses Programm zu haben. Das heisst, die Software ist bekannter.
Open-Source gibt Sicherheit, denn je mehr Augen den Code anschauen, desto kleiner ist das Risiko, dass die Software einen Sicherheitsfehler enthält.
Bei Open-Source tragen alle etwas bei. Jede:r, der programmieren kann, hat die Möglichkeit, die Software zu verbessern. Das ist für das Publikum gut, denn man ist somit nicht vom Hersteller der Software abhängig. Für den Hersteller heisst das auch, dass er nicht alles selber programmieren muss.
Und was, wenn keine Firmen hinter den Projekten stehen?
Es gibt unzählbare Open-Source-Projekte. Obwohl einige von Firmen entwickelt werden, hat die Mehrheit der Projekte diesen Luxus nicht. Wie werden diese Projekte denn entwickelt? Die Antwort ist einfach: aus Leidenschaft.
Viele Projekte werden entweder gar nicht finanziert oder nur zum Teil durch Spenden finanziert. Der Entwickler, der die Software entwickelt, macht das nicht, um Geld zu gewinnen, sondern einfach, weil er das mag. Eine Analogie wäre ein Fotograf. Er kann professionell Bilder schiessen aber auch nur, weil er das gerne macht. Genauso ist es beim Programmieren. Man programmiert in der freien Zeit, weil man daran Vergnügen findet. Ausserdem muss man bei Open-Source-Projekten das Ganze ja nicht alleine machen, andere leidenschaftliche Programmierer:innen helfen auch dabei.
Unabhängig davon, ob ein Projekt gross oder klein ist, alle tragen zu Open-Source bei. Sie sind ein wichtiger Teil unserer digitalen Welt. Es erlaubt eine schnellere Entwicklung von Software jeglicher Art, von Smartphones zu selbstfahrenden Autos, von Spielen bis hin zu medizinischen Apparaten, von Websites bis zu Robotern.
In der Intersim brauchen wir Open-Source-Software täglich. Viele Entwicklungstools, installierte Bibliotheken und Server sind Open-Source. Dass es diese Software gibt, dafür sind wir extrem dankbar.
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